Für Trainer
Für Trainer:innen im Jugendfußball: Trainingsplanung und Mannschaftsführung allgemein, dazu das Torwarttraining als erster ausgebauter Schwerpunkt. Alles aus der eigenen Praxis, nichts aus dem Lehrbuch abgeschrieben.
Übungskatalog
Übungen nach sechs Schwerpunkten, mit Skizzen, Coaching-Punkten und Variationen.
Öffnen →Torwartausbildung
Vier Altersstufen, fünf Schwerpunkte, der Ausbildungsplan über die Saison.
Öffnen →Woche und Spieltag
Die Trainingswoche je Spieltag, das Warm-up, zwei Gespräche, von der Analyse zur Maßnahme.
Öffnen →Bewertung und Scouting
Ausfüllbare Bögen für Torspieler und Trainer, Sichtungsbogen, Trend-Profil.
Öffnen →Spielphilosophie
Ein Leitbild für die Mannschaft mit den zwei Rangfolgen nach Ballgewinn und Ballverlust.
Öffnen →Trainingseinheiten
Einheiten aus dem Trainertagebuch, mit Ablauf, Coaching-Punkten und Variationen.
Öffnen →Wie das alles zusammenhängt und was noch kommt, steht im Lehrplan.
Die Philosophie
Was ein Torspielertrainer will, was er verlangt, und was er von sich selbst verlangt. Die zwei Listen sind fast identisch, mit Absicht.
Saisonziele eines Torspielertrainers
- •Jeden Torspieler individuell besser machen
- •Jeden Torspieler zu einer Persönlichkeit machen
- •Aus jedem Torspieler das Maximum herausholen
- •Gemeinsame Ziele setzen, verfolgen und erreichen: kurz-, mittel- und langfristig
- •Alle Torspieler auch fußballerisch weiterbringen
- •Alle Torspieler topfit machen
- •Gezielt an den Schwächen jedes Einzelnen arbeiten
- •Fehler machen lassen, Fehler erkennen, verbessern, und nicht wieder machen
Was ich von meinen Torspielern verlange
- •Spaß
- •Ehrlichkeit und Offenheit
- •Aus Fehlern lernen
- •Motivator sein
- •Immer hundert Prozent Einsatz
- •Respekt gegenüber jedem: alle begrüßen
- •Konzentration auf die eigenen sportlichen Aufgaben
- •Teamplayer sein, positive Energie ausstrahlen
- •Selbstreflexion: Was kann ich an mir verbessern?
- •Die eigene Trainings- und Spielleistung bewerten
Was ich von mir und anderen Torspielertrainern verlange
- •Spaß
- •Ehrlichkeit und Offenheit
- •Aus Fehlern lernen
- •Motivator sein
- •Immer hundert Prozent Einsatz
- •Respekt gegenüber jedem: alle begrüßen
- •Konzentration auf die eigenen Aufgaben
- •Teamplayer sein, positive Energie ausstrahlen
- •Selbstreflexion: Was kann ich an mir verbessern?
- •Das eigene Training und Coaching bewerten lassen
Das schwache Auge finden
Jeder hat eine Seite, auf der er den Ball später sieht. Herausfinden, welche, und gezielt trainieren.
Den Typ verstehen
Wer ist er: der Draufgänger, der Analytiker, der Harmoniebedürftige, der Stille? Danach richtet sich, wie man ihn anspricht und korrigiert.
Die Lebensumstände kennen
Familie, Schule, Hobbys, Sorgen. Nicht aus Neugier, sondern weil sie mit auf den Platz kommen.
Start bei einem neuen Verein
Sechs Schritte, in dieser Reihenfolge, bevor die erste eigene Übung auf den Platz kommt.
- •Scouting der vorhandenen Torspieler: erst zuschauen, dann urteilen
- •Spielbewertung mit festen Kriterien, nicht nach Gefühl
- •Videoanalyse, wo möglich
- •Spielergespräche: Wo siehst du dich, was erwartest du von mir?
- •Elterngespräche: kurz, ehrlich, ohne Versprechen
- •Saisonziele festlegen, für die Gruppe und für jeden Einzelnen
Das Torwartteam führen
Aufstellung, Spielzeit, Rangfolge, Fehlergespräch. Und die Erinnerung daran, dass bei den Keepern jeder den Platz des anderen will. Die Nummer 2 ist die wichtigste Person im Torwartteam, weil sie am leichtesten verloren geht.
Das Torwartteam aufstellen
- •Mindestens zwei Torspieler je Mannschaft, im Profibereich meist drei bis vier. Der vierte wechselt oft und kommt aus der U23 oder U19, wo er Nummer 1 oder 2 ist
- •Im Training kommen alle gleich oft dran, lernen und werden eingebunden. Ausnahme: Standards und Taktisches für das kommende Spiel, da steht öfter die Nummer 1 im Tor
- •Bis zur U15 auch im Spiel rotieren, wenn es mehrere gut machen. Ab der U17 leistungsorientiert, und das vorher sagen
Spielzeit in der Vorbereitung
- •Zu Beginn spielen beide Keeper, bei vielen Spielen auch die Nummer 3
- •Je näher der Ligastart, desto öfter die Nummer 1, wenn sie feststeht. Sonst bekommen beide etwa gleich viel Zeit, sich zu beweisen
- •Ob die Nummer 2 fest für den Pokal vorgesehen ist, entscheidet der Cheftrainer. Er holt sich dafür Rat beim Torwarttrainer, oder sollte es
Die Rangfolge kommunizieren
- •Vor der Saison klar sagen, wer Nummer 1 und wer Nummer 2 ist, oder dass es keine feste Nummer 1 gibt. Mit dem Zusatz, dass nichts festgemeißelt ist
- •Eine klare Nummer 1 auch als solche benennen, damit sich niemand falsche Hoffnungen macht
- •Änderungen frühzeitig mitteilen, mindestens einen Tag vor dem Spiel, damit jeder seine Rolle annehmen kann. Wer auf die Bank muss, bekommt die Tatsachen ehrlich erklärt und einen Weg zurück ins Tor gezeigt
Fehler besprechen
- •Die Fehleranalyse läuft zwischen Torspieler und Torwarttrainer. Die Nummer 2 kommentiert nicht ungefragt
- •Eröffnung 1, an die Nummer 1: „Wie hast du das gesehen? Wollen wir offen darüber reden oder erst unter vier Augen?“
- •Eröffnung 2, an alle: „Ich habe mir die Szene vom Wochenende mit ihm angeschaut, wir wollen heute offen darüber sprechen. Wie seht ihr das?“ So kommt die Meinung der anderen Keeper rein, auf Augenhöhe
Die kleine Familie
- •Bei den Feldspielern gibt es viele Positionen, nicht jeder konkurriert mit jedem. Bei den Keepern will jeder ständig den Platz des anderen. Das braucht mehr gegenseitigen Respekt und Anerkennung, nicht weniger
- •Zwischen zwei Keepern, die um einen Platz kämpfen, kann es zwischenmenschlich ruhig werden: Hand geben, sonst wenig. Auf dem Platz zerfleischen sie sich im positiven Sinn, aber ohne dem anderen etwas Schlechtes zu wünschen
- •Der Anspruch: Keeper sehen sich als kleine Familie, die zusammenhält. Der Torwarttrainer hält sie zusammen
Die häufigsten Fehler des Torwarttrainers
- •Sich zu wenig um die Nummer 2, 3 und 4 kümmern
- •Der Nummer 2 falsche Hoffnungen machen. Oder sie sogar ausnutzen, um die Nummer 1 stärker zu machen
- •Floskeln statt Gründe. Stattdessen klar zeigen, was passieren muss, damit sie die Nummer 1 wird. Das ist unbequem und das Einzige, was hilft
Die Spielersicht dazu, mit drei Geschichten aus Torwartteams, im Modul Im Torwartteam.
Coaching, Korrektur, Tipps
Was beim Korrigieren zählt, ist selten die fachliche Tiefe, sondern wie es beim Torspieler ankommt.
Richtiges Coaching in sechs Schritten
- 1Fehler erkennen
- 2Übung sofort unterbrechen
- 3Fehler ansprechen: Fragen, was falsch war. So merkt man, ob der Torspieler den Fehler selbst bemerkt hat
- 4Fehler korrigieren, ohne dass der Torspieler es als Fehler erlebt. So denkt er nicht an den Fehler, sondern an die Lösung
- 5Die Übung richtig vormachen
- 6Den Torspieler die Übung richtig wiederholen lassen
Aufmerksamkeit
- •Auf einen Torspieler konzentrieren, die anderen beobachten
- •Auf einen Schwerpunkt fokussieren
- •Spieler selbst korrigieren lassen, nur bei extrem falschem Verhalten unterbrechen
- •Die Übung richtig automatisieren
Auftritt
- •Leibchen immer in der geplanten Formation auf den Platz legen
- •Emotionen zeigen
- •Die Stimmlage ändern
- •Nur zwei bis drei Hütchen als Abgrenzung benutzen
Erklären
- •Zwei Minuten erklären, drei Minuten freies Spiel, dann die Spielverteilung analysieren und die vorgegebenen Themen coachen
- •Grobe Fehler sofort aufzeigen, aber nicht zu viele auf einmal
- •„Natürlich nicht“ statt „Nein“: Nein heißt zu Hause vielleicht doch ja
- •Verhältnis Lob zu Kritik: acht zu eins
Messbar machen
- •Messbare Parameter zur Trainings- und Spielbewertung festlegen
- •Beispiel Flügelspieler: zehn Flanken im Spiel
- •Beispiel Torspieler: fünf Flanken im Spiel herunterpflücken
Aufbau einer Einheit (WASIC)
- •Torspielern erklären, welche Übung gemacht wird
- •Fragen, wofür die Übung gemacht wird
- •Übung erklären, Torspieler motivieren
- •Intensität beachten: 60, 80, 100, 100, 80, 60 Prozent
Trainingslayout über die Saison
- •Flexible, abwechslungsreiche Übungen in Blöcken von drei bis fünf Wochen
- •Ein Schwerpunkt je Übung, nicht drei
- •In Situationen variieren statt automatisieren. Aber: steigern
- •Das schwache Auge finden und trainieren
- •Ein Hauptziel setzen, Fehler zulassen, daraus lernen. Den Torspieler nie kleinmachen
- •Torspieler auch im Feld trainieren lassen
- •Eine gute Spielform, damit jeder ins Tor muss: Jeder Spieler muss ein Tor schießen
Was eine Torwartabteilung zusammenhält
Trainingstagebuch
Die Torspieler schreiben nach jeder Einheit auf: Was wurde eigentlich trainiert? Was habe ich eigentlich gelernt?
Eigenes Material
Jeder Torspielertrainer hat sein Standardmaterial, beschriftet: Plättchen, Hütchen, Bälle. Nicht aufgeräumt oder verloren zahlt der Trainer.
Eine Sprache
Alle Torspielertrainer im Verein sprechen dieselbe Sprache. Dieselben Begriffe, dieselben Kommandos, dieselben Grundtechniken.
Schwerpunkte vorgegeben, Übungen frei
Die Abteilung legt fest, was in welcher Woche dran ist. Wie es geübt wird, entscheidet jeder Trainer selbst. Die Übung muss nur zum Schwerpunkt passen.
Interne Weiterbildung
Regelmäßige Diskussionsrunden im Trainerteam. Der Cheftrainer geht immer mal wieder hospitieren, während der Co-Trainer trainiert. Beide lernen dazu.
Kleine Dinge
Ein kleiner Ball für die Schule: mehr Ballkontakte am Tag. Abschlussspiel ohne Aus, ohne Hütchen, ohne Zonen: freie Entscheidungen der Spieler.
Mannschaftstraining
Aus der Trainer-B-Ausbildung im Herrenbereich: Saisonplanung, Regeln, Zielvereinbarungen. Nicht das Lehrbuchmodell, sondern eine echte Rückrunde.
Sechs Wochen im Zyklus
Sechs Wochen vom 25. März bis 5. Mai. Entscheidend ist nicht, welche Schwerpunkte drinstehen, sondern dass sich mittel, hoch und niedrig abwechseln: Auf jede harte Woche folgt eine ruhige.
- Woche 1KurzpassspielTorabschlussFlankenmittel
- Woche 2Erster KontaktKombinationsspielKrafthoch
- Woche 3Gegnerbezogenes TrainingStandardsniedrig
- Woche 4Gegnerbezogenes TrainingStandardsniedrig
- Woche 5KurzpassspielTorabschlussFlankenmittel
- Woche 6Erster KontaktKombinationsspielKrafthoch
Eine Woche im Detail
Die erste Woche des Zyklus. Sieben Tage, davon zwei Einheiten und ein Spiel. Der Rest ist Erholung. Wer mehr Trainingstage hineinpackt, plant nicht mehr, sondern hofft.
- MontagFrei — am Sonntag wurde gespieltniedrig
- DienstagTraining 19:00mittel
- Einleitung
- Kurzpassspiel
- Hauptteil
- Spiel über Außen, Flanken
- Schluss
- Torabschluss
- MittwochFrei — Erholungniedrig
- DonnerstagHeimspiel 18:30, Treffpunkt 17:00hoch
- FreitagFrei — Regeneration, Beine lockernniedrig
- SamstagTraining 19:00, anschließend Teamabendhoch
- Einleitung
- Kraftzirkel, Linienläufe
- Hauptteil
- Kombinationsspiel mit beschränkten Ballkontakten
- Schluss
- Torabschluss
Konditionell: Krafttraining und Ausdauer, sehr hohe Intensität
- SonntagFrei — Erholungniedrig
Regeln und Routinen
Regeln, die zu Saisonbeginn einmal besprochen und danach nicht mehr verhandelt werden. Sie klingen banal und ersparen trotzdem die meisten Diskussionen.
Für die Mannschaft
- Pünktlich sein
- Vor dem Training schon genug trinken
- Alle geben 100 %
- Volle Konzentration
- Kommunikation — gegenseitiges Coachen
- Alle bauen gemeinsam auf und ab
- Verletzte Spieler lassen sich im Training blicken oder trainieren extra, soweit es geht und sinnvoll ist
- Teamsitzung nach jedem Abschlusstraining
- Balldienst einhalten: Bälle aufpumpen, Leibchen waschen
Vor jedem Training
15 bis 20 Minuten die hintere Muskelkette mit Minibändern bearbeiten. Das ist Verletzungsprävention und kostet weniger Zeit, als ein Muskelfaserriss an Spielen kostet.
Verantwortung abgeben
Jedes Training ist ein anderer Spieler für die korrekte Durchführung zuständig. Wer selbst anleiten muss, hört beim nächsten Mal anders zu.
Am Spieltag
Letzte Mahlzeit zwei Stunden vor dem Spiel, am besten Nudeln. Ausreichend trinken — nicht erst, wenn man Durst hat.
Ausrüstung
Trainiert wird normalerweise auf Kunstrasen. Rasenschuhe trotzdem immer dabeihaben, es kann spontan auf den Rasenplatz gehen.
Ziele mit Spielern vereinbaren
SMART kennt jeder aus der Lizenz. Was in der Praxis davon trägt und was nicht, steht in keinem Lehrgangsheft.
Offen fragen statt vorgeben
Wo siehst du deine Stärken und Schwächen? Wo siehst du dich in zwei, fünf, zehn Jahren — und was musst du dafür tun? Was sind deine Saisonziele mit der Mannschaft, was deine eigenen, und was erwartest du dafür von mir als Trainer?
- •Offene Fragen regen Selbstreflexion an und man sieht, wie jemand sich selbst einschätzt
- •Der Preis dafür: solche Ziele sind oft unspezifisch, manchmal unrealistisch und selten terminiert
- •Aktives Zuhören bringt Spieler auf Ziele, auf die sie allein nicht gekommen wären
Kurze Ziele vor langen
Kurzfristige Ziele sind in Sichtweite und schneller erreicht. Das motiviert, weiterzumachen und sich neue zu stecken — und es braucht weniger Durchhaltevermögen, bis endlich etwas Sichtbares da ist.
Vorsicht bei festen Enddaten
Ein realistisches Enddatum gibt Orientierung. Aber es einzuschätzen ist schwer, und Verletzung, Krankheit oder private Probleme verschieben es. Ein verpasster Termin wirkt dann gegen den Spieler, obwohl die Entwicklung vielleicht stimmt.
Woran gemeinsame Ziele scheitern
Spieler haben manchmal andere Ziele als der Trainer, andere Wege dorthin, andere Vorstellungen vom Spielsystem — und keinen Gesamtüberblick über Stärken und Schwächen der Mitspieler.
Wenn das Ziel nicht erreicht wird
Dann hinterfragt die Mannschaft System, Aufstellung, Ansprache, Training, Coaching — im schlimmsten Fall den Trainer. Und der Trainer hinterfragt genau dasselbe, dazu einzelne Spieler und den Kader. So arbeitet man gegeneinander und sucht Schuld, statt gemeinsam weiterzukommen.
Der eigene Weg damit
Feedback zuerst bei Schlüsselspielern holen — Kapitän, Stützen im Team. Zuhören, Sichtweisen erklären lassen, und dabei klar sagen: Ich schaue es mir an und überlege, aber am Ende bin ich der Chef. Dann das Team in die Pflicht nehmen und erklären, warum es sinnvoller ist, an der Taktik festzuhalten und sie zu verbessern, als alles umzuwerfen.
- •Offen sein, ohne sich selbst zu schwächen oder Spieler zu verunsichern
- •Nie ist nur der Trainer oder nur die Mannschaft schuld — gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren
Lizenzwege
Für alle, die das Torwartspiel als Einstieg oder als Vertiefung neben der Feldspieler-Lizenz mitnehmen wollen.
- DFB Basisprofil Torwart
- DFB Torwarttrainer Leistungskurs
- UEFA A Torwarttrainer-Lizenz
- Dazu die Feldspieler-Lizenzen: DFB C, UEFA B
Die Torhüter-Lernmodule eignen sich auch als schnelle fachliche Auffrischung für Trainer:innen. Technik und Taktik lohnen den Blick zuerst.
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