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Taktik-Grundlagen

Ein guter Torhüter weiß, wie ein Tor am besten verhindert wird, und wie nach dem Ballgewinn ein Angriff beginnt. Beides entscheidet sich oft, bevor der Ball überhaupt geschossen wird: durch die Position, die Ansage und die Entscheidung im richtigen Moment.

Vier Grundregeln

Sie gelten vor jeder Technik und in jeder Spielminute.

Das Spiel ständig beobachten

Nicht auf den Ball warten, sondern die Spielentwicklung voraussehen. Wer sieht, wohin der nächste Pass geht, steht schon richtig, bevor er gespielt ist.

Die Position anpassen

Mit jedem Ballkontakt des Gegners verschiebt sich die Gefahr. Die eigene Position wandert mit, in kleinen Schritten, nie mit einem großen Sprung.

So früh wie möglich eingreifen

Ein Ball, den man abfängt, bevor er zum Schuss wird, muss nicht gehalten werden. Früh handeln ist fast immer sicherer als spät reagieren.

Immer konzentriert und bereit sein

Auch wenn das Spiel gerade am anderen Ende läuft. Die Konzentration darf etwas sinken, der Blick zum Ball nie.

Was die Entscheidung beeinflusst

Ob ein Torhüter herausläuft, bleibt, kurz oder lang spielt, hängt nie nur von ihm ab. Zehn Dinge spielen in jede Entscheidung hinein.

  1. Die eigenen torwartspezifischen Techniken
  2. Die eigenen fußballerischen Techniken
  3. Die technischen Fähigkeiten der Mitspieler
  4. Die technischen Fähigkeiten der Gegenspieler
  5. Die eigene Position ohne Ball
  6. Die eigene Position mit Ball
  7. Wo die Mitspieler stehen, mit und ohne Ball
  8. Wo die Gegenspieler stehen, mit und ohne Ball
  9. Der Spielstand
  10. Wetter und Platz

Defensive Techniken

  • •Ballangriff
  • •Zielverteidigung
  • •Raumverteidigung
  • •1 gegen 1
  • •Rückpässe verarbeiten

Offensive Techniken

  • •Abwurf
  • •Ausrollen
  • •Abschlag und Abstoß
  • •Dropkick
  • •Spielaufbau

Zu jeder Technik gehört die Frage, wann sie passt: Was bringt sie ein, was riskiert sie? Ein Abwurf ist genau, aber kurz. Ein Abschlag ist weit, aber der Ball kann verloren gehen.

Was die Mannschaft von dir erwartet

Zwei Dinge, die nichts mit Paraden zu tun haben und trotzdem Spiele entscheiden.

Positionierung

  • •Nicht nur im Tor stehen und zuschauen
  • •Nicht zu weit vor dem Tor stehen
  • •Mit der Mannschaft mitschieben
  • •Als elfter Feldspieler auftreten: immer anspielbereit sein

Kommunikation

  • •Das Team von hinten mit klaren Anweisungen coachen
  • •Früh und laut „Leo“ oder „Torwart“ rufen
  • •Bei Standardsituationen die Organisation sicherstellen
  • •Sich und das Team immer wieder motivieren
  • •Auf die Körpersprache achten: Spannung aufbauen, vom Gegner Respekt gewinnen

Stellungsspiel

Grundprinzip

  • •Position auf der Winkelhalbierenden zwischen Ball und beiden Pfosten
  • •Mit jedem Ballkontakt des Gegners neu ausrichten, in kleinen Schritten
  • •Bei Distanzschüssen etwas näher am Tor bleiben, das gibt Reaktionszeit
  • •Nie auf dem ganzen Fuß stehen: Das Gewicht bleibt auf den Ballen

Querpassverteidigung

Wenn der Ball quer durch den Strafraum gespielt wird.

  • •Die Position anpassen, bevor der Pass gespielt wird, nicht erst danach
  • •Klare Absprache mit der Abwehr, wer den ersten Kontakt übernimmt
  • •Nach dem Querpass: kurzer Auftakthüpfer, dann wieder Grundstellung

1 gegen 1

  • •Nur herauslaufen, wenn der Vorteil eindeutig ist
  • •Tempo verzögern statt sofort eingreifen: Fläche einnehmen, spät reagieren
  • •Unter fünf Metern Abstand: Block statt Hechten
  • •Klare Kommunikation mit der Abwehr, wer welchen Laufweg deckt

Bei Ecken

  • •Klare Zuordnung, wer den ersten und wer den zweiten Pfosten sichert
  • •Zentrale Position mit Blick auf den ganzen Fünfmeterraum
  • •Früh ansagen, ob der Torhüter kommt, und dann auch kommen

Freistoß des Gegners

Der Moment, in dem der Torhüter das Sagen hat. Die Mauer steht auf der Linie vom Ball zum nahen Pfosten, der Torhüter deckt, was sie freilässt.

größter außenkleinster innensofort vor den BallTorhüterSchütze

Die Mauer stellen

  • •Klare Anweisungen geben und die Spieler beim Namen nennen
  • •Laut und deutlich sprechen, wenn nötig schreien
  • •Den Ball immer im Auge behalten und die Mauer auf die Ballposition ausrichten
  • •Der zweitgrößte Spieler hilft beim Stellen: Er dreht sich um und schaut zum Torhüter
  • •Die Mauer steht auf den Zehenspitzen und springt nicht hoch, sonst rutscht der flache Ball darunter durch
  • •Der größte Spieler steht außen, der kleinste innen

Die eigene Position

  • •Wo liegt der Ball? Die Mauer so stellen, dass der Schütze als Gefahr erkennbar bleibt
  • •Wo steht die Mauer, links, rechts oder mittig? Die eigene Position danach ausrichten
  • •Die Torwarttechniken nie vernachlässigen, auch wenn die Mauer viel abdeckt
  • •Nie spekulieren, immer den Ball im Auge behalten

Was der Torhüter ansagt

  • •Ob er eine Mauer will und wer hineingeht
  • •Wie viele Spieler in der Mauer stehen und wer wo
  • •Wo die Mauer steht. Steht sie mittig, muss sofort ein Spieler Richtung Schütze laufen
  • •Die Anweisungen des Schiedsrichters gelten. Ob das Spiel sofort weitergeht, entscheidet der Schütze, nicht der Torhüter

Torwartkommandos

Ein Torhüter, der nicht spricht, verschenkt seinen größten Vorteil: Er sieht das ganze Spiel. Diese Wörter reichen für fast jede Situation.

Abwehr organisieren

Während der Gegner angreift. Kurz, laut, immer mit Namen.

  • Hintermann!
  • Körper!
  • Drauf!
  • Druck!
  • Blocken!
  • Fuß vor!
  • Zeit!
  • Fallen!
  • Zurück!
  • Absetzen!
  • Enger!
  • Dreh dich!
  • Schieben!
  • Ohne Foul!
  • Zweiter Ball!

Bei Standards und hohen Bällen

Bevor der Ball in der Luft ist, muss klar sein, wer ihn nimmt.

  • Mauer zusammen!
  • Zehenspitzen!
  • Pfosten!
  • Hoch!
  • Torwart!
  • Bin dabei!
  • Schlagen!
  • Raus!

Im eigenen Ballbesitz

Der Torhüter hat das ganze Spiel vor sich und sieht Räume, die vorne niemand sieht.

  • Vorwärts spielen!
  • Weit!
  • Langer Ball!
  • Diagonal!
  • Verlagern!
  • Breit machen!
  • Seitenwechsel!

So kommen Kommandos an

  • •Immer den Namen zuerst: „Jonas, Körper!“ kommt an, „Körper!“ allein hört keiner
  • •Ein Wort, keine Sätze. Im Lärm des Spiels kommt nur das erste Wort durch
  • •„Zweiter Ball!“ ist auch ein Wecker: Es holt die Aufmerksamkeit der ganzen Abwehr zurück
  • •Lieber zu oft als zu selten. Eine Abwehr, die den Torhüter hört, steht ruhiger

Spielaufbau mit Torspieler

Der Torhüter als elfter Feldspieler, ganz wörtlich: Drei Varianten, wie eine Mannschaft im Ballbesitz mit dem Torspieler in Überzahl kommt. Das eigene Tor ist links, Pfeile zeigen, wer sich bewegt.

Grundformation 1-4-4-2

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  • Die Außenverteidiger (LH, RH) und die Außenmittelfeldspieler (LM, RM) stehen etwas höher als die zentralen Spieler ihrer Reihe
  • Die Abstände zwischen den Reihen einhalten, und weder zu weit noch zu nah am Nebenmann der eigenen Reihe stehen
  • Der Torspieler schiebt immer mit und gibt Kommandos, weil er das ganze Spiel vor sich hat
  1. 1

    Torspielerkette

    Aus 1-4-4-2 wird 0-3-4-3

    Der Torspieler wird zum mittleren Innenverteidiger. Alle anderen rücken eine Reihe nach vorn, bis vorne eine Überzahl steht.

    TSLHLZHRZHRHLMLZMRZMRMLSRS
    1. Der Torspieler dribbelt an und wird zum zentralen Innenverteidiger
    2. Die beiden Innenverteidiger gehen in die Breite
    3. Außenverteidiger und Außenmittelfeld schieben je eine Reihe vor, bis vorne Überzahl hergestellt ist
  2. 2

    Torspieler als Innenverteidiger

    Aus 1-4-4-2 wird 0-4-5-2

    Der Torspieler nimmt die Position des rechten Innenverteidigers ein, der ins Mittelfeld aufrückt und dort die Überzahl herstellt.

    TSLHLZHRZHRHLMLZMRZMRMLSRS
    1. Der Torspieler dribbelt an und wird zum rechten Innenverteidiger
    2. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler gehen in die Breite
    3. Der eigentliche rechte Innenverteidiger rückt eine Reihe vor und wird zur zentralen Mitte
  3. 3

    Torspieler in der Dreierkette

    Aus 1-4-4-2 wird 0-3-5-3

    Die weiteste Variante: Der Torspieler bildet mit linkem Außen- und linkem Innenverteidiger eine neue Dreierkette, die rechte Seite schiebt komplett eine Position nach vorn.

    TSLHLZHRZHRHLMLZMRZMRMLSRS
    1. Der Torspieler dribbelt an und wird zum rechten Innenverteidiger
    2. Die zentralen Mittelfeldspieler gehen in die Breite, der rechte Innenverteidiger wird zur zentralen Mitte
    3. Der rechte Außenverteidiger wird zum rechten Mittelfeldspieler, der zum rechten Stürmer
    4. Der rechte Stürmer rückt in die Mitte, der linke geht in die Breite
    5. Linker Außenverteidiger und linker Innenverteidiger bilden mit dem Torspieler die neue Dreierkette

Alle drei Varianten setzen voraus, dass der Torspieler den Ball sicher am Fuß hat und die Mannschaft die Abläufe im Training oft gespielt hat. Sie sind kein Trick für den Notfall, sondern ein Plan für den geordneten Ballbesitz.

Modernes Torwartspiel

Das Torwartspiel hat sich von Grund auf verändert. Ein Torhüter muss athletisch, taktisch und fußballerisch mit dem Rest der Mannschaft mithalten können. Dazu kommt das, was nur er hat: die Fähigkeit, den Ball abzuwehren und festzuhalten.

Was es möglich macht

  • •Der Torhüter ist ein taktischer Faktor: Ein offensiver Torhüter macht eine offensive Mannschaft möglich, und umgekehrt
  • •Er weiß, wann er das Spiel schnell macht und wann langsam
  • •Bleibt ein Torhüter auf der Linie, ist er bei vielen Situationen machtlos, ohne einen Fehler gemacht zu haben. Wer mitspielt, hat die Situation schon vorher entschärft

Wo es gefährlich wird

  • •Ein zu offensiver Torhüter wird überlupft
  • •Nach einem Rückpass ist der Druck des Stürmers manchmal zu groß für einen sauberen Pass
  • •Die Vorteile gibt es nur bei sauberer Ausführung. Modernes Torwartspiel ist eine Mischung aus Athletik, Ballgefühl, Spielverständnis und Timing, nicht aus Wagemut

Erhöhtes Spieltempo und Regeln zugunsten der Offensive fordern den Torhüter körperlich und im Kopf stärker als früher. Deshalb ist das Torwarttraining heute vielseitiger, und deshalb gehört das Fußballspielen dazu.